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„Der Wandel passiert, mit oder ohne Sie“

„Der Wandel passiert, mit oder ohne Sie“

Der Bamm-Effekt: Dietmar Dahmen spricht im Interview über Disruption, Haie und warum die Kissen der Bequemlichkeit effektvoll auf der Bühne zersägt werden. 

Wann sind Sie zum letzten Mal mit der Kreissäge auf der Bühne gestanden, um Führungskräfte für Veränderung zu begeistern?
Dahmen: Immer wieder. Die Emotionalisierung gehört zu meinem Programm. Mit einem Bild kann man Veränderung sehr sichtbar machen, gerade bei der digitalen Transformation.

Was meinen Sie da konkret?
Dahmen:
Wenn ich vor Ingenieuren oder Technikern stehe und über die Zukunft referiere – etwa an der weltgrössten Baumesse in München -, dann wissen alle, wie diese aussieht. Sie glauben auch zu wissen, wie sich Blockchain oder Künstliche Intelligenz weiterentwickeln.

Sie meinen in der Theorie?
Dahmen:
Richtig. Wenn man etwas weiss, heisst dies noch lange nicht, dass man es auch in der Praxis umsetzt. Das heisst, man muss neben der intellektuellen Auseinandersetzung eine emotionale Dringlichkeit schaffen. Schliesslich reden wir hier von Disruption. Intellektuell wissen wir alle, dass viel Sport und wenig Alkohol wichtig sind für unsere Gesundheit. Aber umsetzen tun diese Vorsätze dann doch nur wenige. Da motivieren archaische Bilder, denen ich mich bediene. Indem ich mit der laut knatternden Kettensäge die Kissen der Bequemlichkeit zerstöre.

Erst dank Ihrem «Bamm-Effekt» geht’s in die Köpfe rein?
Dahmen:
Absolut. Ich bin auch schon auf der Bühne einen riesigen Hai geritten. Nicht aus Selbstzweck, sondern um den Umgang mit der technischen Entwicklung zu symbolisieren. Diese kann man verneinen, ignorieren oder sich dagegen stemmen. Oder man kann die Herausforderung annehmen, den Hai also reiten; indem man sich anpasst und in der Disruption schliesslich zu den Gewinnern gehört und nicht zu denen, die disrumpiert werden. Meine Botschaft lautet: Wandel passiert. Mit oder ohne Sie.

Sie sagten vor Managern auch: Business ist wie ein Fightclub, einer kriegt immer auf die Fresse. Kommt das gut an?
Dahmen:
Ja, das wird in der Führungsetage gut verstanden. Aber es gibt grosse kulturelle Unterschiede. «No prisoners» oder «Kill your enemy» passt in die USA, in Europa weniger. Da gibt es grosse Unterschiede, gerade in Asien ist die Sprache weniger aggressiv.

Gibt’s auch Unterschiede beim Umgang mit digitaler Transformation?
Dahmen:
Ja. Der Umgang mit dem Neuen, mit Innovation ist regional sehr verschieden. Eine Zahl: Künstliche Intelligenz verwendet in Deutschland 49 Prozent der Firmen, in der Schweiz sind es 46 Prozent, in China aber sind es 85 Prozent. Das zeigt: Asiaten adaptieren viel schneller, viel offener und viel verspielter. Ein Japaner hat kürzlich sogar eine virtuelle Figur geheiratet, die den Namen Miko Hatsune trägt und von einem Illustrator erfunden wurde. Das wäre im Westen undenkbar.

Wie kann man den Veränderungswillen im Westen stärken?
Dahmen:
Indem man das Moderne mit dem Traditionellen verknüpft. Spitzentechnologie im Kuhstall überzeugt jeden, modernste Produktionsprozesse in der Uhrenindustrie ebenfalls, auch selbstfahrende Fahrzeuge. Denn dieser technologische Wandel bringt Effizienzfortschritte, Sicherheit, weniger Stress. Wenn also ein Zusatznutzen damit verbunden ist, dann wirkt das Angebot überzeugender. Allerdings braucht dieser Ansatz auch mehr Zeit. Doch oft kommt die Disruption überraschend und von aussen.

Zum Beispiel?
Dahmen:
Drohnen und Amazon Fresh greifen den Kühlschrankhersteller an. Das Hotel-Zimmer mit dem Handy und NFC öffnen attackiert die Schlüsselhersteller. Sobald der Konsument einen Nutzen darin sieht und sein Aufwand sinkt, kann es ganz schnell gehen.

Bitcoin sollte eine Weltwährung werden, heute ist es bestenfalls noch eine Anlageklasse. Dahmen: Ich sehe Parallelen zur Internet-Blase, die 2001 platzte. Der Vorteil der Bubble ist, dass sie beim Wachsen grosse Aufmerksamkeit geniesst. In dieser Wachstumsphase redet jeder drüber, dann kommt der Knall. Beim zweiten Anlauf wird die Technologie solide umgesetzt und ist viel stabiler als beim ersten Mal. Bei Bitcoin sind wir jetzt gerade in dieser Korrekturphase. Nach dem Platzen der Blase werden sich die robusten Geschäftsmodelle durchsetzen. Zuerst war die Spekulation, dann ein maturierender Markt. Und klar ist, dass Blockchain die Wirtschaft enorm beeinflussen wird.

Künstliche Intelligenz verläuft durch dieselben zwei Phase?
Dahmen:
Dafür ist es noch zu früh. Aber sicher bilden sich jetzt ganz viele Anwendungen heraus. Künstliche Intelligenz macht die Dinge smarter, der Mensch hat dann umso mehr Zeit, sich um die geilen Dinge zu kümmern. Um jene Aufgaben also, bei denen es um Ganzheitlichkeit geht, um Emotionales, um Lustvolles. Google setzt dieses Prinzip bereits heute um: Da ist in den Büros ganz viel Hightech, aber die Leute gehen dorthin, weil neben der Technik ein lustvoller Spirit vorhanden ist. Daraus resultiert produktives Arbeiten.

Bedeutung der Blockchain in der digitalen Transformation

Bedeutung der Blockchain in der digitalen Transformation

Sarah Pfeiffer ist IT Project Manager bei Puzzle ITC, einem der Innovationspartner beim BAMM 2019. Sie spricht im Interview über den Einsatz und die Positionierung der Blockchain für neue Geschäftsmodelle.

1. Blockchain eröffnet neue Geschäftsmodelle. Was ist in der Schweiz bereits angekommen?
Wir stellen generell fest, dass man in der Geschäftswelt konkret im Bereich der digitalen Transformation aktuell auf der Suche nach konkreten  Einsatzmöglichkeiten ist, wie und wo man mit der Technologie erste  Erfahrungen sammeln kann. Dies sehen wir als wichtigen ersten Schritt um mit Blockchain in Berührung zu kommen. Man muss sich allerdings auch  klar bewusst sein, dass in solch einer innovativen Phase auch Sachen  entstehen die vermutlich den Proof of Concept Status nicht überstehen  werden. Blockchain wird als Allerweltslösung angesehen, wir sind jedoch  der Meinung, dass die Technologie klar nur für gewisse UseCases geeignet ist und man sich beim Einsatz einer Blockchain über die technische  Komplexität bewusst sein muss.

2. Wie werden Sie (bei Ihren Kunden oder Allgemein) Vertrauen & Akzeptanz in die Blockchain stärken?
Einerseits halten wir Vorträge, organisieren Meetups und Events um dort  entsprechend von unseren konkreten Erfahrungen zu erzählen, andererseits ist uns steter Knowhowaufbau und Vertiefung enorm wichtig, damit wir  unsere Kunden optimal beraten können. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es essentiell ist, den konkreten UseCase gesamtheitlich zu betrachten  und den Kundennutzen ins Zentrum zu stellen, anstatt blindlings Richtung Blockchain zu rennen. Mit unseren eigenen Use Cases wollen wir die  Technologie näher zu unseren Kunden bringen und erlebbar machen. So  versuchen wir auch Hemmungen gegenüber der Technologie abzubauen.
 

3. Ist die Blockchain bereits ein Umsatztreiber für Puzzle ITC oder noch eine Positionierungsstrategie?
Im Moment laufen vor allem Innovationsprojekte. Einerseits direkt mit Kunden zusammen, andererseits unsere eigenen Cases. Für uns war es immer wichtig Knowhow anhand eines simplen, konkreten Cases aufzubauen (https://twitter.com/gugol/status/1042658297927675905https://shop.energy-kitchen.ch/#/shop). So konnten wir viel Knowhow aufbauen und entsprechend auch im sogenannten "Space" eine gewisse Aufmerksamkeit erregen.